Aufgabe 4: Schriftliche Quellen interpretieren

 Die genaue Analyse einer schriftlichen Quelle beinhaltet außer einer inhaltlichen auch eine sprachliche Erfassung der Quelle. So kann die Wirkung einer schriftlichen Quelle bewusst gemacht und eine eventuelle manipulative Absicht erkannt werden. Die folgenden Fragen sollen dazu als Anleitung dienen. Dabei ist es jedoch nicht immer notwendig, alle Fragen der Reihe nach abzuarbeiten. Welche der Fragen sinnvoll sind, dies hängt von der zu analysierenden schriftlichen Quelle ab.

 

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Brief von Guiseppe Mazzini 1851 

 

        1. Schriftliche Quellen erfassen und beschreiben

·         Nenne die Überschrift der schriftlichen Quelle und den Untertitel.

·         Benenne das Thema, das abgehandelt wird.

·         Benenne die Textsorte, um die es sich handelt (Urkunde, Biografie, Inschrift, Brief, …).

 

2. Schriftliche Quellen analysieren

Erfassung von Inhalt und Aufbau der schriftlichen Quelle:

              mit Hilfe von W-Fragen:

o   Wer macht etwas?

o   Wer sagt was, zu wem, in welchem Medium und mit welcher Absicht?

o   Wann ereignet es sich?

o   Wo passiert es?

               Arbeite die Kernbegriffe heraus, die die schriftliche Quelle aufweist.

              Gliedere die schriftliche Quelle in Sinnabschnitte.

               Überlege, ob der Argumentationsgang schlüssig ist oder ob er Brüche aufweist.

              Sprachliche Erfassung der schriftlichen Quelle:

               Arbeite heraus, welche Wortwahl die schriftliche Quelle aufweist.

o   Kommen bestimmte Wortarten besonders häufig vor?

o   Welche Sprachschichten (gehobene Sprache, Dialekt, …) lassen sich erkennen?

o   Gibt es auffällige Fremdwörter oder fachsprachliche Ausdrücke?

o   Gibt es veraltete (Archaismus) oder neu gebildete Wörter (Neologismen)?

              Erläutere, welche rhetorisch-stilistischen Mittel verwendet werden.

o   Gibt es Wendungen, die übertreiben oder untertreiben?

o   etwas bildlich ausdrücken (Metaphern, Vergleiche …)?

o   etwas beschönigen (Euphemismen) oder vermeiden (Tabuisierungen)?

o   das Gegenteil von dem meinen, was sie sagen (Ironie)?

o   Schlagwörter bzw. stereotype Wendungen sind?

              Wer ist die Autorin/der Autor? Ist sie/er Augenzeugin/Augenzeuge? Ist sie/er eine/ein Zeitgenossin/Zeitgenosse?          Ist sie/er indas historische Geschehen involviert (parteiisch/betroffen)?

              Wo und wann ist die schriftliche Quelle erschienen? In welchen historischen Kontext (Epoche, Ereignis,…) lässt sich        die schriftliche Quelle einordnen?

               Wer sind die Adressatinnen/Adressaten (Volk, Privatperson, Öffentlichkeit, Nachwelt,…)?

 

3. Schriftliche Quellen interpretieren  

              Erläutere die Kernaussage der schriftlichen Quelle.

              Erkläre, welche Funktion die schriftliche Quelle (didaktisch, aufklärend, propagandistisch,…) hatte.

              Erörtere, welche Absichten die Autorin/der Autor vermutlich verfolgt. Welche Wirkung sollte die schriftliche Quelle          beim zeitgenössischen Publikum erzielen?

              Erörtere, welche Zusammenhänge sich zwischen Inhalt, sprachlicher Form und Aussageabsicht der schriftlichen              Quelle erkennen lassen.

              Überlege, ob die Autorin/der Autor Partei ergreift. Ist der Text beschönigend, anklagend, tendenziös, verfälschend          …?

              Erörtere, ob die Autorin/der Autor glaubwürdig ist.

              Erläutere, ob die schriftliche Quelle einer bestimmten Ideologie folgt.

              Erörtere, ob sich Fragen ergeben, die nicht beantwortet werden können. Fehlen Informationen?

           Überlege, welche anderen Hilfsmittel (Sachtexte, Lexika, …) zur Klärung von offenen Fragen nötig sind. 

 


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